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I Der "musikhistorische Verismo"
II Entstehung des "musikalischen Verismo"
III Das "Teatro Grattacielo" in New York




 

 


II Zur Enstehung des "musikalischen Verismo"

Verismo (von ital. vero, wahr). Stilrichtung im Drama, der Literatur und der bildenden Kunst seit der Mitte des 19. und zu Beginn des 20. Jh.s in Italien, die unter dem Einfluß des frz. Naturalismus entstand und bemüht war, durch schonungslos-krasse Darstellung die sozialen Probleme der Zeit darzustellen. In der Oper faßt der Begriff die von der literarischen Bewegung der »Scapigliatura« (ital., Zügellosigkeit, Boheme) und den Komponisten Amilcara Ponchielli, Alfredo Catalani und Antonio Smareglia ausgehende, von der »Giovane Scuola« (Pietro Mascagni, Ruggero Leoncavallo, Umberto Giordano, Francesco Cilea und Alberto Franchetti) weitergeführte Stilrichtung zusammen, die, ausgehend vom naturalistischen Schauspiel, ab etwa 1890 ein ungeschöntes Abbild des wirklichen Lebens geben wollte, sich also vom Symbolismus, von Wagner wie der historischen Oper abwandte.

Als eigentliche Geburtsstunde der veristischen Oper gilt die Uraufführung von Mascagnis "Cavalleria rusticana" (1890), die auf einem Stück von Giovanni Verga (1840–1922), dem einflußreichsten Vertreter des literarischen Verismos, basiert. Weitere Komponisten dieser Richtung sind Leoncavallo mit "I Pagliacci" (1892), daneben Francesco Cilèa mit "La Tilda" (1892), "L'Arlesiana (1897) und "Gloria" (1907), Umberto Giordano mit "Mala Vita" (1892), Gellio Benvenuto Coronaro (1863–1916) mit "Festa a Marina" (1893), Franco Alfano mit "Risurrezione" (1910) und Riccardo Zandonai mit "Conchita" (1911);

Giacomo Puccini ist nicht dem Verismo zuzurechnen, obwohl einige Szenen seiner Opern typisch veristische Züge tragen.

Eugen D'Alberts "Tiefland" (1903), Ermanno Wolf-Ferraris "I gioielli della madonna/Der Schmuck der Madonna" (1911) und "Sly" (1928) sowie
Leo Blechs "Aglaja" (1893) und "Cherubina" (1894) sind Beispiele dieser in der Oper primär auf Italien begrenzten Richtung.

In Paris entwickelte sich eine solche Linie, unter anderen musikalischen Voraussetzungen, bei Gustave Charpentier "Louise" (1900), Alfred Bruneau mit "Le Rêve/Der Traum" (1891), "Messidor" (1897) und in Jules Massenets "La Navarraise" (1894).

Inhaltlich stellte der Verismo das Leben einfacher, armer Leute dar, legte Wert auf lokale Milieuschilderung, rückte das Geschehen ins grelle Licht kraftvoller Farben und scheute nicht brutale, leidenschaftliche Ausbrüche und Effekte. In der Gesangsführung entspricht dem eine glutvolle, entfesselte Melodik, welche die Singstimme an die Grenzen ihrer Kraft führt. Die Instrumentation ist farbig, raffiniert, leitmotivische Figuren tauchen auf, Zwischenspiele und sinfonische Schilderungen gewinnen an Bedeutung. Ausgehend von Mascagnis Opern wird der Einakter in neuerer Zeit wieder häufiger verwendet. Die Bezeichnung Verismo wird oft auf die gesamte ital. Opernproduktion der Jahrhundertwende übertragen, obwohl Werke wie Giordanos "Andrea Chénier" (1896), Cileas "Adriana Lecouvreur" (1902) u.a. nicht dazugehören.

 


Literatur:
Wagner, Hans-Joachim
Fremde Welten: die Oper des italienischen Verismo
Stuttgart; Weimar : Metzler, 1999

Der Verismo der "italienischen Oper" hat sich Ende des 19.Jahrhunderts im Zusammenhang von modernen Produktions- und Vertriebsmechanismen herausgebildet. Hier haben zum ersten mal in der Musikgeschichte kommerzielle Interessen zur Entfaltung des Verismo-Repertoires beigetragen.
Das Verlagshaus Sonzogno in Mailand und sein Leiter Edoardo Sonzogno förderten durch die Ausschreibungen an den Wettbewerben die Entwicklung der "veristischen Oper". Sonzogno setzte sich auch entschieden für deren Verbreitung bzw. Vermarktung ein, indem er auch literarische Publikationen herausbrachte, die einem höheren Bekanntheitsgrad der Opern und auch deren Sänger dienen sollte.

 

Der 1. und zugleich entscheidende Schritt zur Umsetzung des Vorhabens war die Organisation und Durchführung von Wettbewerben für Operneinakter italienischer Komponisten.
Der erste Wettbewerb wurde am 1.April 1883 unter dem Motto "Förderung der jungen italienischen Komponisten"/ "Incoragiamento ai giovani compositori italiani" angekündigt. Die Jury - bestehend aus Amilcare Ponchielli, Pietro Platania, Franco Faccio, Cesare Dominiceti und Amintore Galli - wählte zwei Opern aus, welche die beiden ersten Plätze erhielten.

1883 Erster Wettbewerb in Italien
Platz
Komponist
Oper
Uraufführung; Notizen
1.
Luigi MapelliAnna e GualbertoUA 04.05.1884 Mailand
2.
Guglielmo Zuelli
La Fata del Nord
Die Fee aus dem Norden
UA 04.05.1884 Mailand
.
Pietro AlignaniLa Sposa del fabbrolobend erwähnt
.
Francesco SpetrinoCelesteUA 03.12.1891 Bukarest; lobend erwähnt
.
Alberto FavaraMarcellinaUA 24.05.1884 Mailand; lobend erwähnt
.
Giacomo Puccini
Le Willis
Die Willis
UA 31.05.1884 Mailand; nicht erwähnt

Im Juli 1888 [laut K.Pahlen am 06.Mai 1890] schrieb Edoardo Sonzogno einen zweiten Wettbewerb aus, der neben der Prämierung einer Oper auch die des besten Librettos ankündigte. Der Opern-Jury gehörten Filippo Marchetti, Giovanni Sgambati, Eugenio Terziani, Francesco D'Arcis und Amintore Galli an; der Libretto-Kommission Paolo Ferari, Antonio Ghislanzoni und Felice Cavallotti.

Da der erste Wettbewerb auf wenig Resonanz bei Publikum und Presse gestoßen ist, entschloß man sich, um eine Fehlbeurteilung zu vermeiden, zu einem geänderten Verfahren. Aus den eingereichten Arbeiten sollten drei Opern zur Aufführung ausgewählt, und erst nach der Bewertung ihrer Bühnenwirksamkeit das endgültige Ergebnis mitgeteilt werden. Von den 73 einaktigen Opern gelangten wie vorgesehen im Mai 1890 drei am Teatro Costanzi in Rom zur Uraufführung.
Einstimmig fällte die Jury nach den Premieren ihr Urteil und sprach Pietro Mascagni den ersten Preis zu. Die Hohe Qualität zahlreicher nicht prämierter Partituren veranlasste die Jury, nach Abschluß des Wettbewerbs auf weitere Arbeiten hinzuweisen.

1888 Zweiter Wettbewerb
PlatzKomponistOperUraufführung; Notizen
1.
Pietro Mascagni
Cavalleria rusticana
Sizilianische Bauernehre
UA 17.05.1890 Rom
2.
Niccolò SpinelliLabiliaUA 09.05.1890 Rom
3.
Vincenzo FerroniRudelloUA 28.05.1890 Rom
.
Marco Enrico BossiLa Leggenda umana ossìa Il VeggenteUA 1896 Mannheim; ehrenhafte Erwähnung
.
Armando SeppelliAndrea di Franciaehrenhafte Erwähnung
.
Mario Vitale
La Bella del bosco dormente
Dornröschen
lobend erwähnt
.
Umberto GiordanoMarinalobend erwähnt
.
Vittorio BaravalleAmore d'artistalobend erwähnt
.
Daniele (Mosé) NapoletanoIl Profeta velato del KorasanUA 01.04.1893 Neapel; lobend erwähnt
.
Ricco
La Russalca
Rusalka
lobend erwähnt
.
(Giulio) BuzenacDiana di Vizillelobend erwähnt
.
Ausoni De LorenzoGli Adoratori del fuocolobend erwähnt
.
Vittorio PodestiRudellobend erwähnt
.
Raffaele TerzianiAmanalobend erwähnt
.
Giuseppe Calzolari
In sogno
Im Traum
lobend erwähnt
.
Ernesto MajaniIl Bacio della Perilobend erwähnt
.
Arturo VanbianchiIn alto mareUA 1891; lobend erwähnt
.
Emilio PizziVivianalobend erwähnt

Die "Giovane scuola italiana" - wie man sich selbstbewusst nannte - etablierte sich in den 1890er Jahren als führende Opernrichtung in Italien. Zugleich konnte sie im europäischen Kontext eine ungeheure Popularität erringen.
Sie trat mehr oder weniger erfolgreich die Nachfolge von Giuseppe Verdi an.

Während Pietro Mascagni, Ruggero Leoncavallo, Umberto Giordano und Francesco Cilea auf unterschiedliche weise die Auseinandersetzung mit dem veristischen Prototyp "Cavalleria rusticana" suchten, wurden Großteile der italienischen Opernproduktion bis etwa 1925 durch diese Wirkungsgeschichte beeinflusst und es entstanden vereinzelte Varianten des Prototyps neben zahlreichen Plagiaten.
Anhand ausgewählter Werke ist die Sonderstellung Giacomo Puccinis im Zusammenhang veristischen Komponierens noch zu erläutern.

Die junge Generation wird mitgerissen durch die Schriften des Sizilianers Giovanni Verga. Er hat in seinen "ländlichen Erzählungen" die packende Geschichte eines blutigen Ehedramas unter dem Titel "Cavalleria rusticana" geschildert und 1884 dann dramatisiert auf die Bühne gebracht.
Giovanni Verga gilt als Bahnbrecher, ja als Oberhaupt einer »Richtung«, einer künstlerischen Strömung, die als Steigerung des "Realismus" und des "Naturalismus" sich den Namen »Verismus« zulegte. Die »Wahrheit« ist ihr Ziel. Der Verismus ist also eine Gegenströmung zu der das 19.Jahrhundert beherrschenden Romantik.Die zumeist als »verismo« zitierte Richtung schwang sich zur Verkünderin der »Wahrheit« auf: der »volle Griff ins tägliche, alltägliche Menschenleben«, die »rücksichtslose Darstellung menschlicher Leidenschaften, Triebe, Laster, Krankheiten«, die »Bloßlegung von Verirrungen, Verkettungen« waren ihre Aufgaben, ihre Ziele. Alles sollte so »lebensecht« wie möglich sein.


Der dritte Sonzogno-Wettbewerb wurde im Oktober 1890 angekündigt. Im Januar 1892 veröffentlichte "Il Teatro illustrato" die Liste der 60 eingereichten Partituren mit Inschrift. Im September 1892 gab dann die Kommission, zu der Ruggero Leoncavallo, Giovanni Bolzoni und Amintore Galli gehörten, das Ergebnis der ersten Auswahl bekannt. Die Jury lud insgesamt 14 Komponisten zum Vorspiel ihrer Arbeiten ein. Nach den Uraufführungen im März 1893 im Teatro La Fenice in Venedig wurde der erste Preis Gellio Benvenuto Coronaro zuerkannt. Wie bereits beim zweiten Wettbewerb wiesen die Preisrichter auf weitere bemerkenswerte Arbeiten hin.


1892 Dritter Wettbewerb
Platz
KomponistOperUraufführung; Notizen
1.
Gellio Benvenuto CoronaroFesta a MarinaUA 21.03.1893 Venedig
2.
Ernesto BoeziDon PaezUA 29.03.1893 Venedig
.
Ernesto MajaniCavaliero d'amoreUA 17.10.1893 Mailand; spezielle Erwähnung
.
Filippo BrunettoIl Cristo di ValaperteAufführung und spezielle Erwähnung
.
Vincenzo GianferrariTreccie nereUA 08.02.1893; positives Urteil
.
Ugo DallanoceTriste nozzeUA 23.03.1893 Venedig; positives Urteil
.
Agide Carrera
Il Violino di Cremona
Die Geige von Cremona
-
.
Giuseppe CerquetelliScene medioevali-
.
Ferruccio CusinatiTraditaUA 20.11.1892
.
Giovanni ChimeriVendetta slava-
.
Caro SernagiottoA CanaregioUA 22.02.1983
.
Emanuele Paolo Morello
Notte d'amore
Liebesnacht
-
.
Ernesto LuzattiVendetta romagnolo-
.
Giuseppe MiceliAtalaUA 17.02.1898 Neapel

Der letzte, nun erstmals internationale Wettbewerb für einaktige Opern fand im April 1902 statt. Am 22.Oktober 1903 gab die Kommission, die sich aus berühmten Komponisten und Kritikern wie Jules Massenet, Asger Hamerick, Tomas Breton, Engelbert Humperdinck, Francesco Cilea, Cleofonte Campanini und Amintore Galli zusammensetzte, das Ergebnis bekannt.
Aus den 237 Einsendungen hatte die Jury drei Opern zur Aufführung am Teatro lirico internazionale Mailand ausgewählt. Weitere 4 Opern fanden besondere Erwähnung, auf 14 andere wurde hingewiesen.

1902 Vierter Wettbewerb
PlatzKomponistOperUraufführung; Notizen
1.
Gabriele DupontCabreraUA 16.05.1904 Mailand
2.
Lorenzo FiliasiManuel MenendezUA 15.05.1904 Mailand
.
Franco Da VeneziaDomino AzzuroUA 14.05.1904 Mailand
.
Attilio ParelliI Dispettosi amintiUA 06.03.1912 Philadelphia; Hinweise
.
Francesco Balilla PratellaLiliaUA 13.09.1905 Lugo; Hinweise
.
Ildebrando Pizzetti
Il Cid
Der Cid
nicht erwähnt

 

 

Insgesamt lässt sich der Verismo insofern als Versuch der Herausbildung eines tragfähigen Opernrepertoires unter Anknüpfung an spezifisch italienische Traditionen fassen; Traditionen, die indes nicht bruchlos übernommen, sondern mit den neuen inhaltlichen und stilistischen Tendenzen in Literatur und Theater verschmolzen werden. Der musikalische Verismo entstand unter dem Etikett einer "Italianità dell'arte".

 

Giacomo Puccini

Giacomo Puccini verfolgte die kompositorische Tätigkeit seiner veristischen Zeitgenossen sehr genau. Es scheint, als ob er sowohl der Anregung von außen durch die aktuelle Opernproduktion, als auch der Konkurrenzsituation zu den komponierenden Kollegen bedurfte, um ein Opernprojekt realisieren zu können.
Puccinis Erstlingsoper "Le Willis" (UA 1884) steht in der Tradition der deutschen Zauber- bzw. Undine-Opern der Romantik und muß als Reflex auf Alfredo Catalanis "Elda" (UA 1880) gewertet werden.
Die Oper "Edgar" (UA 1889) zehrt von der Tradition der Schauerromantik, setzt aber sowohl Georges Bizets "Carmen" als auch Giuseppe Verdis "Troubadour" und - mit Blick auf das Sühnemotiv - Richard Wagners "Tannhäuser" voraus.
"Manon Lescaut" (UA 1893) orientiert sich zwar nicht an Daniel François Esprit Aubers "Manon Lescaut", kann aber als Reaktion auf Jules Massenets "Manon" (UA 1884) gelesen werden.
Die Oper "La Bohème" entstand von einer heftigen Auseinandersetzung begleitet parallel zu Ruggero Leoncavallos "La Bohème".
Die Oper "Tosca" (UA 1900) nutzt den in der literarischen Vorlage Victorien Sardous historischen Verismo, die politische Intrige und die Künstlerthematik, wie sie paradigmatisch in Umberto Giordanos "Andrea Chénier" (UA 1896) realisiert wurde.
Die Exotic von "Madama Butterfly" (UA 1904) geht von der Exotik in Pietro Mascagnis "Iris" (UA 1898) aus; ebenso "La Fanciulla del West" (UA 1910) und "Turandot" (UA 1926).
Puccinis einzige Operette "La Rondine" (UA 1917) reagiert zumal auf Ruggero Leoncavallos Operettenschaffen "La Reginetta delle Rose" der 1910er Jahre.
"Il Trittico" (UA 1918) schließlich ist jenseits des intendierten Modellcharakters für den Verismo "Il Tabarro", für das lyrische Intermezzo bzw. die Idylle "Suor Angelica" und für die Komödie "Gianni Schicchi", eine verspätete Reflexion auf die Form des [veristischen] Einakters, wobei darüber hinaus thematische Parallelen offen zu Tage treten.
"Il Tabarro" hat sein Vorbild in der konventionellen veristischen Dreieckkonstellation.
"Suor Angelica" ist ohne Umberto Giordanos "Mese mariano" (UA 1909) nicht denkbar.
"Gianni Schicchi" partizipiert an der thematisch begründeten Renaissance der Renaissance in der veristischen Oper, wie sie in Pietro Mascagnis "Zanetto" (UA 1896), "Isabeau" (UA 1911) und "Parisina" (UA 1913) verwirklicht wurde.

Plagiate und Innovationen

Die Dominanz der einmal durch "Cavalleria rusticana" gesetzten Norm erwies sich als derartig gewaltig, daß nur eine partielle Abwandlung bzw. eingeschränkte Variation des einmal Gegebenen möglich erschien.
Einerseits waren Ruggero Leoncavallo in "I Pagliacci", Umberto Giordano in "Mala vita" und Francesco Cilea in
"La Tilda" ebenfalls vom normsetzenden Charakter Pietro Mascagni's "Cavalleria rusticana" bestimmt . Sie fanden aber nach der einmaligen Orientierung am Prototyp eigenständige Lösungen. Andererseits entstanden auch zahlreiche Reproduktionen des veristischen Vorbildes. Anhand von 7 Merkmalen wird dies kurz erläutert.



1. In der Nachfolge von "Cavalleria rusticana" entstanden zahlreiche Opern, die im Kontext der veristischen Ästhetik auf regionalistische Stoffe zurückgriffen. Die Provinzen Italiens wurden als Handlungsorte entdeckt. Damit war zugleich eine Hinwendung zu einem neuen Opernpersonal verbunden: Bauern, Fischer und Landarbeiter, umgeben von einem pittoresk-malerischen Ambiente. Beispiele dieser sogenanten Cavallerie seien hier genannt!


KomponistOperUraufführung
Pierantonio TascaA Santa LuciaUA 15.11.1892 Berlin
Francesco Paolo Frontini
Una Malìa
Eine Hexe
UA 30.05.1893 Bologna
Nicola Spinelli
A basso porto
Im stillen Hafen
UA 18.04.1894 Köln
Pietro FloridiaMaruzzaUA 23.08.1894
Oreste BimboniSantuzzaUA 08.01.1895 Palermo
Emidio CelliniVendetta SardaUA 12.02.1895 Neapel
Giovanni BuccériMarieddaUA 28.05.1895 Catania
Enrico Mineo
Un mafioso
Ein Mafiosi
UA 29.09.1898
Marco Falchieri
Il bandito
Der Räuber
UA 1902
Renato BrogiOblìoUA 04.02.1904 Florenz
M. Renato VirgilioJanaUA 02.12.1905
Domenico Monleone
Cavalleria rusticana
Sizilianische Bauernehre
UA 05.02.1907 Amsterdam
Pierantonio Tasca
La Lupa
Die Wölfin
UA 21.08.1933

2. Der Regionalismus der Sujets weitete sich im Verlauf der 1890er Jahre auf andere Regionen Europas, zumal auf Spanien, Frankreich und die Alpenregion aus. Ein signifikantes Beispiel ist der Erste Platz "La Cabrera" des im Jahre 1902 ausgeschriebenen vierten Opernwettbewerbs.

KomponistOperUraufführung
Leopoldo Mugnone
Il Birichino
Der Spitzbube
UA 11.08.1892 Venedig
Giulio TanaraVendetta abbruzzenseUA 28.05.1892 Turin
Spiro Samara
La Martire
Die Märtyrerin
UA 23.05.1894 Mailand
Gabriele DupontLa Cabrera UA 16.05.1904 Mailand
Renato BrogiOblìoUA 04.02.1904 Florenz
Pietro MascagniAmicaUA 16.03.1905 Monte Carlo
Ettore Gelli
Il Bandito
Der Räuber
unbekannt

3. Der literarische Verismo begründet sich auf die beiden Autoren Giovanni Verga und Salvatore Di Giacomo.

KomponistOperUraufführung
Nicola D'Arenzio
La Fiera
Der Jahrmarkt
UA 1887 Neapel
Umberto Giordano
Mala vita
Das schlimme Leben
UA 21.02.1892 Rom
Francesco Paolo Frontini
Una Malìa
Eine Hexe
UA 30.05.1893 Bologna
Carlo SebastianiA San FranciscoUA 13.10.1896 Neapel
Mattia ForteGiorgetta la merciaiaUA 03.09.1903 Neapel
Emilia GubitosiNada DelwigUA 1910
Paul Allen
Il Filtro
Der Trank
UA 26.10.1912 Genua
Paul AllenMildaUA 14.06.1913 Venedig
Domenico Monleone
Il Mistero
Das Geheimnis
UA 07.05.1921 Venedig
Vincenzo MichettiLa GraziaUA 31.03.1923 Rom
Giuseppe PietriMaristella-
Vincenzo ValenteRosaura rapita-

Um die Jahrhundertwende tauchen auch Libretti auf, die realistisch-naturalistische Texte französischer und russischer Herkunft verarbeiten.

KomponistOperUraufführung
Ernesto CoopTeresa RaquinUA 08.02.1894 oder 1899 Neapel
Dario de RossiFadetteUA 28.06.1896 Rom
Salvatore SassonoAnna KarenineUA 1905
Franco Alfano
Risurrezione
Auferstehung
UA 30.11.1904 Turin
Giacomo OreficeRaddaUA 25.10.1912 Mailand
Arrigo Pedrollo
L'Uomo che ride
Der lachende Mensch
UA 06.03.1920 Rom
Iginio RobbianiAnna KareninaUA 06.05.1924 Rom
Arrigo PedrolloDelito e castigoUA 1926 Mailand

4. Historismus ebenso wie Exotismus sicherten den Komponisten einen pittoresken Reiz, der szenisch und zumal mit dem Prinzip des zitierten Liedes weiter vorangetrieben werden konnte.

KomponistOperUraufführung
Enrico BossiIl ViandanteUA 1890 Mailand
Natale CantiSavitriUA 1894 Bologna
Federico RossiI RoumakalUA 06.02.1895 Vercelli
Augusto AzzalliLhidiakUA 1897 Caracas
Pietro Floridia
La Colonia libera
Das befreite Köln
UA 07.05.1899 Rom
Anacleto LoschiNel SenegalUA 1899
Paolo SalviucciTerra SantaUA 1931 Rom

5. Der historische Verismo ist am Beispiel des Komponisten Domenico Monleone zu verdeutlichen.

KomponistOperUraufführung
Domenico Monleone
Cavalleria rusticana
Sizilianische Bauernehre
UA 05.02.1907 Amsterdam
Domenico Monleone
Alba Eroica
Heldenlied
UA 1909 oder 05.05.1910 Genua
Domenico MonleoneL'ArabescaUA 11.03.1913 Rom
Domenico Monleone
Il Mistero
Das Geheimnis
UA 07.05.1921 Venedig
Domenico MonleoneFauvetteUA 1926 Genua
Domenico Monleone
La Ronda di notte del Rembrandt
Die Nachtwache von Rembrandt
UA 1933 Genua
Domenico Monleone
Notte di Nozze
Hochzeitsnacht
UA 1940 Bergamo

6. Das zitierte Lied und der Religioso-Ton kehren in nahezu allen veristischen Opern als dramaturgische Eigenschaften wieder.

KomponistOperUraufführung
Pierantonio TascaA Santa LuciaUA 15.11.1892 Berlin
Emidio CelliniVendetta SardaUA 12.02.1895 Neapel
Arturo CadoreIl NataleUA 07.02.1902 oder 1903 Mailand
Leopoldo MugnoneVita BrettonaUA 14.03.1905 Neapel
Lamberto PavanelliVannaUA 23.11.1910 Mailand
Ezio CamussiI fuocho di San GiovanniUA 27.03.1920 Mailand
Giovanni BucceriMarkenUA 14.03.1920 Triest

7. Zahlreiche Komponisten orientierten sich an der veristischen Dramaturgie und somit markierte für sie der Verismo nur eine Zwischenphase.

KomponistOperUraufführung
Antonio Smareglia
Nozze istriane
Istrische Hochzeit
UA 28.03.1895 Triest
Alberto Franchetti
Germania
Deutschland
UA 11.03.1902 Mailand

Eine zweite Generation von Komponisten hat sich zwar im Frühwerk am Verismo orientiert, um später aber dann doch unterschiedliche Entwicklungen in andere Richtungen zu nehmen.

KomponistOperUraufführung
Franco Alfano
Risurrezione
Auferstehung
UA 30.11.1904 Turin
Italo MontemezziGiovanni GallureseUA 28.01.1905 Turin
Riccardo ZandonaiConchitaUA 14.10.1911 Mailand

 


Das veristische Umfeld


KomponistOperUraufführung
Pierantonio TascaBiancaUA 11.02.1885 Florenz
Domenico Glidoni
Gli Emigranti
Die Emigranten
UA 1890 Mailand
Stefano GentiliI TirolesiUA 1893
Giuseppe FerriMaladettaUA 21.04.1894 Cremona
Emidio CelliniLa Vendetta sardaUA 12.02.1895
Pierantonio TascaPergolesiUA 31.07.1898 Berlin
Enrico Mineo
Un Mafioso
Ein Mafiosi
UA 29.09.1898
Ubaldo PacchiarottiLa LampadaUA 16.12.1899 Buenos Aires
Marco Falchieri
Il Bandito
Der Räuber
UA1902
Ubaldo PacchiarottiL'AlbatroUA 03.12.1905 Mailand
Frederic D'ErlangerTessUA 10.04.1906 Neapel
Alberto Franchetti
La Figlia di Iorio
Iorios Tochter
UA 29.03.1906 Mailand
Ubaldo PacchiarottiEidelberga MiaUA 27.02.1908 Genua
Romano RomaniZulmaUA 30.11.1909 Livorno
Ubaldo Pacchiarotti
Il Santo
Der Heilige
UA 15.03.1913 Turin

 

Das Ausland und die veristische Oper

In Deutschland wurde die Aufnahme des Verismo zunächst durch einen Kompositionswettbewerb des Herzogs Ernst II. von Sachsen-Coburg von 1893 begünstigt. Von den 124 eingesandten Partituren wurden von der Jury 2 prämiert. Die anschließend genannten Werke stellen mehr oder weniger Plagiate des Prototyps dar.

1893 Wettbewerb in Deutschland
PlatzKomponistOperUraufführung; Notizen
1.
Josef ForsterDie Rose von PontevedraUA 1893 Gotha
2.
Paul UmlauftEvanthiaUA 30.07.1893 Gotha
.
Alexander von Fielitz
Vendetta
Rache
UA 21.10.1891 Lübeck
.
Erik Meyer-HelmundDer LiebeskampfUA 1892 Dresden
.
Karl von KaskelHochzeitsmorgenUA 23.03.1893 Hamburg
.
Franz CurtiErlöstUA 03.11.1893 Mannheim
.
Leo BlechAglajaUA 04.10.1893 Aachen
.
Ferdinand HummelMaraUA 11.03.1884 Salzburg oder 1893 Berlin
.
Gottfried GrunewaldAstrellaUA 1894 Magdeburg
.
Johannes DöbberDie Rose von Genzano UA 11.02.1895 Gotha
.
Bruno HeydrichAmenUA 1895 Köln
.
Max Josef BeerDer Streik der SchmiedeUA 18.02.1897 Augsburg

 

Nur zwei Komponisten fanden eigenständige Lösungen für eine der veristischen Ästhetik verpflichteten Dramaturgie.

KomponistOperUraufführung
Eugen d'AlbertTieflandUA 15.11.1903 Prag
Max von SchillingMona LisaUA 26.09.1915 Stuttgart

 

Gabor Steiner organisierte 1896 anläßlich der großen Ausstellung "Venedig in Wien" in der österreichischen Hauptstadt in Zusammenarbeit mit der Mailänder Zeitschrift "Il Teatro" einen internationalen Wettbewerb für einaktige Opern mit italienischem Libretto. Es waren 193 Partituren eingereicht worden, von denen allerdings keiner der erste Preis zugesprochen werden konnte.

1896 Wettbewerb in Österreich
PlatzKomponistOperUraufführung; Notizen
1.
---
2.
Arturo Vanbianchi
La Nave
Das Schiff
UA 02.05.1899 Genua
3.
Giovanni GiannettiDer Geigenmacher von Cremona-
3.
Giacomo Orefice
Il Gladiatore
Der Gladiator
UA 20.03.1898 Madrid
3.
Federico Collini
La Creola
Die Kreolin
-
.
Giulio Tanara
Vendetta abruzzese
Abruzische Rache
UA 28.05.1892 Turin; Preisträger

 

Die prämierten Werke sollten zunächst im Rahmen der Ausstellung in Wien aufgeführt werden, doch dazu ist es nicht gekommen. Vier weitere Opern wurden zur Aufführung angenommen. Eine Realisierung des Projektes in Wien war indes nicht möglich, und deshalb kündigte Steiner die Uraufführung der Preisträgerwerke für den September 1896 in Mailand an. Die geschlossene Präsentation des Wettbewerbsergebnisses lässt sich allerdings auch in Mailand nicht nachweisen. Somit mussten die einzelnen Komponisten nach individuellen Aufführungsmöglichkeiten suchen.

Der Verismus wuchs sich als eine Art »Super-Realismus«, zu einer eigenen stark verbreiteten Kunstrichtung um die Wende zum zwanzigsten Jahrhundert aus. Besonders in der Geschichte der Oper hat er seinen festen Platz erobert. Seine Blüte fällt in die gleiche Zeit, in der auch der »musikalische Impressionismus« auf den Plan tritt und seine seltsam weltentrückten Werke einem besonders sensiblen Publikum präsentiert. Dies gehört zu den Merkmalen einer von Paradoxen geschüttelten Epoche, einem sich anbahnenden »fin du siècle«, das in einem überaus zerrissenes Jahrhundert mündet.
Nur wenig ist aus heutiger Sicht vom musikalischen Verismus übriggeblieben: die der Bewegung zugrunde liegende "Cavalleria rusticana" von Pietro Mascagni, "I Pagliacci" von Rugero Leoncavallo und "Adriana Lecouvreur" von Francesco Cilèa; in Deutschland "Tiefland" von Eugen d'Albert, während "Salome" und "Elektra" von Richard Strauss zumeist eher dem Expressionismus oder gar dem Jugendstil zugerechnet werden. "Louise" von Gustave Charpentier bildet eine Brücke zwischen Romantik und Verismus, wie man sie wohl auch am ehesten in den Werken Giacomo Puccinis erkennen kann, in "Manon Lescaut", "La Bohème" und "Madama Butterfly"; "Tosca" allerdings gehört, ihres grausamen, blutrünstigen Textes wegen (alle vier Hauptpersonen sterben gewaltsam) am ehesten in den Kreis des »verismo«.
Kaum ein Dutzend Werke von dem Hundert oder den Hunderten, die seienerzeit über die Bühne gingen, als, keine zwanzig Jahre lang, diese Richtung ihren Zenit erreicht hatte.

 

Die Rennaissance des Verismo

Die Wirkungsgeschichte des Verismo in Italien läßt sich im 20. Jahrhundert gleichsam als Parallele zu den Tendenzen des Realismo in der Literatur und zumal im Film (in den 30er Jahren) weiterverfolgen über Giancarlo Menotti bis hin zu einer jungen Komponistengeneration, die sich im Zeichen eines Neo-Realismo wieder dem Verismo anschliesst ("postmoderner Verismo") .

KomponistOperUraufführung
Giancarlo Menotti
The Consul
Der Konsul
UA 01.03.1950 Philadelphia
Marco Tutino
La Lupa
Die Wölfin
UA 04.09.1990 Livorno


In diesem Kontext erklärt sich, warum das Verlagshaus Sonzogno seit mehreren Jahren den Versuch unternimmt, an die Distributions- und Rezeptionsmechanismen des ausgehenden 19.Jahrhunderts anzuknüpfen. Seit 1987 werden regelmäßig Kongresse zum Verismo abgehalten; es erscheinen wisenschaftliche Publikationen; der Verlag fördert junge Komponisten und vergibt Aufträge.

 

Unserer Ansicht nach [ES & DF] könnte eine Wiederaufnahme des Repertoires des "musikalischen Verismo" in der heutigen Zeit eingeleitet werden, um die Opernaufführungen der Moderne zu bereichern und auch einige zu unrecht "vergessene Opern" wieder zu entdecken.

Beispiel hierzu: Das "Teatro Grattacielo" in New York und "NJAVO, New Jersey Association of Verismo Opera" in Fort Lee




Link zum Seitenanfang  Zuletzt überarbeitet am: 25.07.2009  
ES&DF